2025 war ein sehr bewegtes Jahr, jedenfalls gesellschaftlich und politisch betrachtet.
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Das Jahresende hatte leider einige traurige Vorkommnisse im Gepäck. Es sind drei Künstler von uns gegangen, die mir etwas bedeutet haben. Hierzu habe ich folgende Nachrufe erfasst.
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„Leise rieselt der Schnee,
still und starr ruht der See,
weihnachtlich glänzend der Wald,
freue dich Christkind kommt bald.“
Weihnachtslied aus alten Zeiten
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Aber dieses Jahr ist alles anders! Diesmal verlässt ein Sänger die Bühne, der uns eines der schönsten Weihnachtslieder unserer Zeit geschenkt hat. Mit seinem „Driving home for Christmas“ und seiner samtigweichen Stimme hat er uns immer wieder zum Träumen gebracht und unsere Erinnerungen an die glanzvollen Weihnachtsabende unserer Kindertage zum Leben erweckt. Von vielen gesundheitlichen Krisen geplagt, hat er sich nun – zwei Tage vor Weihnachten – aufgemacht an einen Ort des himmlischen Friedens. Nie werde ich vergessen wie traurig ich war, als er uns im Alter von 50 Jahren schweren Herzens gestanden hat, dass er sich auf seine Abschiedstour vorbereitet. Damals konnte ich mir kaum vorstellen, wieviel Kraft es einen Künstler kosten muss, im Angesicht einer schlimmen Krankheit, Abschied zu nehmen, von all den Menschen, die seine Musik geliebt haben. Wie es sein muss, mit Gewissheit nach einem letzten Applaus die Arena zu verlassen. Das ist nun 25 Jahre her und uns bleibt der Trost, dass Chris Rea so lange weiterleben durfte und über die Krankheit zu der Musik gefunden hat, die ihn wirklich glücklich gemacht hat, dem Blues, der aus der tiefsten Seele kommt.
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Nachruf auf Chris Rea, der am 22. Dezember 2025 verstorben ist.
Abschiedsglocken
Jutta Chrisanth
Die alte Dame mit dem graumelierten Pagenkopf legt ihren Stift zur Seite und klappt die Kladde mit der Aufschrift „Casa Brunetti, thirtyfour“ nachdenklich und leise seufzend zu. Draußen hat es angefangen zu schneien. Schnee, der den Menschen in den Schweizer Bergen wie immer eine weiße Weihnacht bescheren wird.
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In der Lagune von Venedig, in der ein sonniger Dezembertag zu Ende gegangen ist, ist es nun nebelig und kalt und die zierliche Sichel des Mondes wirft nur ein schwaches Licht auf die menschenleere Piazza. Die Schritte, die eben noch zu hören waren, sind verhallt. Es waren die letzten des Commissario, der stets an seinem energisch schreitenden Gang zu erkennen war. Diesem italienisch anmutenden Frauenschwarm mit dem nachdenklichen Blick und den sinnlichen Lippen. Signor Brunetti, der im Dienst stets elegante, dunkle Anzüge und edle Lederschuhe trug. Wie werden wir ihn vermissen!
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Uwe Kockisch war einer der ganz Großen, der in seinem Schauspielerdasein unterschiedlichste Figuren überzeugend verkörpern konnte, auch die mit unangenehmem Charakter. Wen er wohl als ersten besuchen wird? Seinen über alles geliebten Henry James oder doch Giuseppe Patta, seinen ehemaligen Chef, dem er nun endlich auf Augenhöhe gegenübertreten kann, denn im Himmel sind erfreulicherweise alle Menschen gleich.“
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Die alte Dame hat die Vorhänge zwischenzeitlich zugezogen und kehrt zu ihrem Sekretär zurück. Dann klappt sie die Kladde mit dem unvollendeten Manuskript ein letztes Mal auf und schreibt: „Teurer Guido, wir hatten eine wunderbare Zeit miteinander, und ich hoffe, unser Bund hält ein Leben lang.“[1]
Dieser Wunsch ist in Erfüllung gegangen. Auf der mondbeschienenen Piazza läuten derweil alle Glocken des Campanile zur Mitternacht. Diesmal unisono zu Ehren von Venedigs beliebtestem
Commissario.
Nachruf auf Uwe Kockisch, der am 22. Dezember 2025 verstorben ist.
Und ewig lockt das Weib
Und ewig lockt das Weib
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Jutta Chrisanth
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Katzen haben 7 Leben, BB hatte 2, das einer blondierten Strandkatze mit großem Verführungspotenzial und das einer Mutter der Nation, für alles, was auf zwei bis vier Pfoten unterwegs war.
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Sie war die blondeste unter den Brünetten, lockte mit ihren pompösen Busenpräsentationen auf raffinierte Weise beste Beutestücke an und erlegte das Wild kurz und schmerzlos. Es soll Ausnahmen gegeben haben. Amerikanische Präsidenten sind ihr jedoch nicht ins Netz gegangen. Denen hat bekanntlich nur Marilyn den Verstand geraubt. Dafür hat BB einen wichtigen Beitrag zur Emanzipation geleistet, war die Lokomotive des Feminismus, jedenfalls aus Sicht von Simone de Beauvoir. Und die muss es wissen!
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Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere hat sie sich vom Jagdsport verabschiedet und sich stattdessen nur noch um die Hege und Pflege von Tieren, auch wilden, gekümmert und das par Excellence.
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Nun ist sie mit 91 Jahren gestorben, vermutlich nicht in den Armen eines Mannes.
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Nachruf auf BB, Brigitte Bardot, die am 28. Dezember 2025 verstorben ist.
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2025 hat die KI
2025 hat die KI endgültig einen Platz auf der Bühne erobert und das hat die Kunstwelt deutlich verändert. Der Künstler – also das wahre kreative Wesen – tritt allmählich in den Hintergrund.
Mich hat diese Entwicklung veranlasst, über den Sinn weiterer Veröffentlichungen nachzudenken. Die Reihe der kleinen Anthologien wird mit Buch Nummer 8, dem letzten Weihnachtsbuch, enden.
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Ich befinde mich zurzeit in einer Phase der Metamorphose mit offenem Ausgang.
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